Jahrgangs Chronik - Wein in den letzten 2000 Jahren

Jahrgangstabellen gibt es viele und in jedem Weinbuch. Wie aber sah es in vergangenen Jahrhunderten aus? Durch Aufzeichnungen der Klöster sind uns bemerkenswerte Informationen erhalten geblieben. Die Jahrgangschronik, zwangsläufig lückenhaft, zeigt aber auch die Menge / Güte Relation. Die Hauptjahre sind fett gedruckt. Ab ca. 1800 haben wir präzise Aufzeichnungen über jedes Jahr und einen guten, lückenlosen Überblick. Wir erweitern diese Chronik regelmäßig, wenn wir neue Informationen bekommen.

Erläuterungen zur Chronik des Weins

In der Regel sind in den Chroniken aus frühen Zeiten nur die schlechten Jahre, die Missjahre und Fehlherbste überliefert. Diese bedeuteten Katastrophen, Not und Hunger und für die Klöster und die Obrigkeit Zoll- und Steuerausfälle. Ob ein Wein Jahr besonders gut war, hatte eigentlich nur eine untergeordnete Bedeutung. Allerdings war man froh, wenn der Wein nicht zu sauer war, denn Zucker (Rohrzucker) und Honig zum Süßen waren teure Delikatessen, die nur den Tafeln der Reichen vorbehalten waren oder zu ganz hohen Feiertagen gereicht werden konnten. Erst mit dem wirtschaftlich günstiger zu erzeugenden Rübenzucker in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts konnte man schlechte Jahrgänge durch Aufzuckern (Chaptalisieren und Gallisieren) geschmacklich kostengünstig verbessern. Interessant auch die starken Schwankungen in Kalt- und Warmphasen, die auch unter den heutigen Gesichtspunkten einer Klimaveränderung heftig diskutiert werden. Faszinierend auch die Abhängigkeiten künstlerischer und politischer Strömungen von der Klimageschichte : z.B. (sehr vereinfacht) Warmzeit -> Hochmittelalter - Gotik - Minne. Warme Winter wie 1347/8 : Ausbreitung von Ungeziefer - Ratten -> Pest.

Einige besonders wertvolle Hinweise zum Geldwert vergangener Jahrhunderte (z.B. 301, 1256, 1320, 1400, 1446, 1667, 1764 ...) verdanke ich Kurt Scheuerer und Archäologie in Bayern. An dieser Stelle ebenfalls Dank denen, die mir den einen oder den anderen Hinweis gaben.

 

Die Chronik

121 vor Christus - sehr gutes Jahr "Opimianischer Wein", zu Ehren des Konsuls L. Opimius Nepos, noch Jahrzehnte später gerühmt
1 Geldwert : Im republikanischen Rom verdiente ein Handwerker 4 Sesterzen pro Tag. Der Jahressold eines Legionärs betrug 900 Sesterzen. Nach C. Goudineau hatte eine Sesterz eine Kaufkraft von ca. DM 1,50 (ein As DM 0,40). Allerdings überwies Caesar an Cicero 60 Millionen Sesterzen, um Bauland für sein neues Forum zu kaufen. Der Tribut für ganz Gallien betrug 40 Mio Sesterzen. 1 Liter einfacher Wein war für 1 As zu haben; 1 Laib Brot kostete ebenfalls ein As, mit 2 Sesterzen konnte ein Römer seinen Lebensunterhalt für einen Tag gut befriedigen. Ein Rind kostete im Schnitt 200 Denare und ein Sklave je nach Ausbildung zwischen 200 und 1000 Denaren. Ein Arbeiter in Rom erhielt im Monat 25 Denare (=100 Sesterzen).
90 Flavius Domitian (81-96 n. Chr.) ordnet die Vernichtung der Hälfte der bestehenden Rebanlagen an, um die germanische Weinkonkurrenz zu beschränken.
200 Geldwert : In der frühen römischen Kaiserzeit bezahlte man in einer einfachen Gaststätte für einen halben Liter Wein mit Brot 1 As, für die Zukost 2 Asses und für die Übernachtung (»Puellam«) 8 Asses. Für die Nichtlateiner : Puellam heißt Mädchen inklusive.
280 Marcus Aurelius Probus (276-282 n. Chr.) hebt das Domitianische Anbauverbot wieder auf. Der germanische Weinbau kann sich entfalten.
291 reiches Jahr - müde von Frucht- und Traubenernte
300 Fehljahr
301 Geldwert : Diokletian erließ 301 n.Chr. eine Höchstpreisvorschrift, nach welcher für ein Ei nicht mehr als 1 Denar, für ein Pfund Rindfleisch höchstens 8 D (Schweinefleisch 12 D) und für einen halben Liter Wein ebenfalls maximal 8 D verlangt werden durften. Ein Landarbeiter erhielt täglich 25 Denar, dazu freie Kost; ein »Gymnasiallehrer« bekam 3750 D (250 D je Schüler) monatlich.
306 Missernte
312 Missernte
411 Missernte
545 Missernte
585 Missernte
604 Missernte
638 sehr gut

8. und 9. Jahrhundert : Fuderpreis 50 - 90 Reichsmark

721 sehr gut
742 sehr gut, heiße trockene Sommer und grosse Hitze
765 gesegnetes Weinjahr, Dankgottesdienst von König Pippin
812 Karl der Große ordnet an, auf jedem seiner Weingüter Straußwirtschaften zu betreiben.
882 viel und gut
893 Fuderpreis der Abtei Prüm : 1 carrada (Fuder) vini zu 14 Denar = 90 Reichsmark
899 reicher Herbst
10. und 11. Jahrhundert : Fuderpreis 100 - 170 Reichsmark
900 - 1300 mittelalterliche Warmzeit mit Phasen sehr schneller Erwärmung z.B. um 1185/6
984 sehr gut
987 ein so heisses und trockenes Jahr, daß die Ernte ausfiel
988 sehr gut
995 sehr gut, große Trockenheit, große Hitze, warmer Sommer
1004 sehr gut, warmer Sommer
1005 extrem heiss und trocken, große Ernteschäden
1007 sehr gut, heißer Sommer
1056 wieder ein sehr heisses und trockenes Jahr mit großen Ernteeinbußen
1067 so starke Fröste, daß die Reben die Frostschäden erst wieder im Herbst 1069 überwunden hatten
1076 völlige Fehlernte, starke Kälte von November 1075 bis März 1076
12. Jahrhundert : Fuderpreis 75 - 105 Reichsmark
1107 Hauptjahr, ausgezeichnet
1150 ca. Krisenjahre an Mosel und Rhein - vermutlich durch Überproduktion (siehe auch 1152) durch enorme Flächenausweitungen (bedingt durch die Warmphase) führten zu einer Auswanderungswelle von Winzern vornehmlich in das Karpatengebiet.
1152 viel Wein, die geringsten wurden vielfach verschenkt
1182 Baumblüte an Lichtmess (2. Februar), Weinlese Anfang August
1185 herrlicher Wein in Menge, Lesebeginn 1. August, zuckersüße Moste
1186 viel und gut, Januar Baumblüte, Februar Apfelblüte, August Ernte
1194 vortreffliche Weinlese, große Hitze, Dürre, schweres Hagelwetter

13. Jahrhundert 1. Hälfte : Fuderpreis 130 - 165 Reichsmark

1207 kalt, die Pfützen sind am 5. Juni zugefroren
1219 mit dem warmen Klima nehmen die Unwetter zu, eine Nordsee Sturmflut erzeugt den Jadebusen
1220 Wein schlecht und teuer, für die Armen wie auch für die Reichen
1239 Missjahr, Wein sehr teuer

13. Jahrhundert 2. Hälfte : Fuderpreis 220 - 290 Reichsmark

1256 Geldwert : In Landshut bekam man für einen Landshuter Pfennig 2 1/2 Pfund Rindfleisch oder zwei gute, mittelgroße Würste oder "zwei Brote, wohl geknetet und gesiebt". 3 1/2 Liter Bier erhielt man ebenfalls für einen Pfennig
1259 sehr gut - Optimum vinum. Ein Schwein hat den Gegenwert von 250 Litern Bier in Bayern
1276 am 15. Juli essbare Trauben
1288 Bodensee und Rhein zugefroren. Maifröste, Hagel im Juni, Missernte
1291 trefflich, edel
1293 vorzüglicher Wein im Überfluß
1295 sehr viel guter und starker Wein
1296 reicher Weinsegen
1297 überwiegend viel und guter Wein

14. Jahrhundert 1. Hälfte : Fuderpreis 350 - 450 Reichsmark

1300 Hauptjahr
1303 Hauptjahr
1304 Hauptjahr
1318 sehr gut
1320 Geldwert : Ein Steinmetz- oder Zimmerergeselle erhielt in Regensburg im Winter 2 Pfennige und im Sommer 4 Pfennige pro Tag. Für einen Pfennig konnte er etwa 6 Halbe Bier kaufen.
1326 Hauptjahr, ausgezeichnet
1328 Hauptjahr
1333 Hauptjahr
1336 Hauptjahr
1337 sehr gut
1343 sehr gut - ein 1343er Lindenfelser (Kurpfalz) wurde noch im 17. Jahrhundert Besuchern im Heidelberger Schloß kredenzt - schmeckte laut Zeitgenossen wie "Holzapfelbrühe"
1346 Katastrophen Jahr - jede Nacht Frost zwischen dem 10. und 15. September
1347 sehr warmer Winter, mittleres Jahr - in den folgenden Jahren jeweils relativ warme Winter mit wenig Schnee und Frost
14. Jahrhundert 2. Hälfte : Fuderpreis 260 - 400 Reichsmark
1358 Eiswein ???
1362 sehr gut - schwere Sturmflut zerstört am 16. Januar Teile der nordfriesischen Inseln. Zweite Marcellusflut, die in die Annalen als "Grote Manndränke" mit hundertausend Toten kam.
1370 Sankt Maximin berichtet von der Rotweinlese in der Trierer Lage "Kaeskeller" beim Amphitheater
1371 gering und teuer
1376 Hauptjahr
1386 Hauptjahr, sehr viel und gut, ausnehmend billig
1387 sehr gut
1390 sehr gut
1392 reiches Jahr, viel und gut, Herbstfrostschäden zwischen 21. und 29. September
1394 sehr viel und gut, ausnehmend billig

1400 Beginn einer langen Klimaverschlechterung

 ("Kleine Eiszeit" siehe auch 1645) bis ca. 1850. Nordpolareis stößt vor. Das 13. und 14. Jahrhundert zählte zu einer ausgesprochenen Warmphase
1400 Geldwert : Um 1400 erhielt ein Maurermeister pro Tag 10 Regensburger Pfennige, ein Erdarbeiter 3 Pfennige. Für einen Pfennig bekam er einen halben Liter Wein, eine Mahlzeit im Gasthaus kostete 3 Pfennige.
Der Tagelohn eines Maurers betrug im Norden 40 Heller im Sommer und 32 Heller im Winter. Der Handlanger am Bau erhielt 22 Heller im Sommer und 18 Heller im Winter. Ein Ratsherr erhielt ein Sitzungsgeld von 18 Hellern. Ein Fisch kostete einen Heller, ein Brot ein bis zwei Heller, ein Pfund Butter zwei Heller, ein Pfund Rindfleisch vier Heller, ein Pfund Schinken 5 Heller.
1407 Starke Winterfröste, Rhein zugefroren, viele Reben vernichtet
1420 ausgezeichnet wie 1326
1421 sehr gut
1422 sehr günstig
1426 um für einen Heller Wein zu trinken, mußte man zweimal ins Wirtshaus kommen
1432 sehr viel und gut, wegen Faßmangel Wein zum Mörtel benutzt
1437 vernichtende Fröste, kalter Winter, der die Weinberge an der Weichsel vernichtete
1446 Geldwert : Der Tagelohn eines Zimmermanns und Maurers betrug in Dresden 3 Groschen. Eine Kanne Bier (0,9l) kostete 2 Pfennige und der Scheffel Weizen (103l) 15 Groschen. 1 Groschen = 12 Pfennige.
1460 Extremer langer Winter : Rhein und Bodensee zugefroren. Um etwa 1,5 Grad Celsius waren die durchschnittlichen Temperaturen zwischen den Jahren 1100 und 1450 gefallen.
1472 guter, lange haltbarer Jahrgang mit hoher Säure - siehe 1650
1473 heisser, trockener Sommer - viel und sehr guter Wein
1484 viel und guter Wein - etwa 1 Million Liter Wein wurde in den Bodensee gekippt, um in den Fässern Platz zu machen für den guten neuen Jahrgang
1485 schlechter Jahrgang
1486 nicht ausgereift - saurer Wein
1487 Frost, Missjahr
1488 kaltes Jahr, schlechter Wein
1499 wieder ein schlechter Jahrgang in Folge : Fehlherbst
1490 Schneefall im Mai - große Blüte Schäden
1491 zu kalt, schlechte, unbrauchbare Weine

1500 "An Fronleichnam hingen an den Weinstöcken statt Blüten Eiszapfen"

1519 guter Jahrgang - siehe 1650
1522 sehr gut
1524 guter, reifer Jahrgang mit hoher Säure - siehe 1650
1525 guter Jahrgang, wurde noch 1730 im Straßburger Spitalkeller ausgeschenkt. 1526 - 1535 ungewöhnlich warme, schneearme Winter
1529 sehr ungünstig, nasser Sommer und Herbst
1526 erste urkundlich erwähnte "Trockenbeerenauslese" aus dem Burgenland
1530 Trauben sehr sauer, fast ungeniessbar
1540 viel und sehr gut, extrem trockener Sommer: der Rhein trocknete aus. Wärme begann am 1. Februar, 24. August Weinlese, berühmter Steinwein - Jahrtausendjahrgang - ein 1540er war bei einer Raritätenprobe 1961 zu London noch trinkbar. In diesem Jahr erhielt ein Zimmermann oder Maurer 3 Groschen Tagelohn.
1562 Riesling an der Mosel nachgewiesen - Gute "Rößlingstöcke" in Trittenheim
1580 heißer und trockener Sommer - am 27. September ist an der Mosel die Weinlese in vollem Gange

1600

1606 sehr guter Jahrgang, heißer Sommer, großartiger Tokayer
1607 strenger Winter, Nußbäume sind erfroren
1608 warmer Sommer, am 10. September reife Trauben bei Frankenthal. Wieviel kostete eigentlich ein Liter guten Weines zu dieser Zeit (1608 bis 1620)? Direkte Vergleiche gibt es tatsächlich. Ein "Herr" konnte in einer fremden Stadt mit 7 Thalern einen Monat Miete einer angemessenen Wohnung und Verköstigung bezahlen. Der notwendige Diener kostete 6 Thaler im Monat inklusive Wohnung und Verpflegung. 1 Fuder Wein erbrachte 63 Thaler. Das heißt, daß 9 Monate Wohnen und Essen (Vollpension) mit 1000 Litern Wein aufgewogen wurden. Rechnet man für 9 Monate normaler Wohnungsmiete und voller Verpflegung mit 15.000 bis 20.000 DM, so kostete ein Liter Wein ca. 15 bis 20 DM nach heutiger Kaufkraft. Im frühen 17. Jahrhundert kostete ein Pfund Rindfleisch 4 Kreuzer, ein Abendessen mit Bier 2 Kreuzer (= 8 Pfennig) und 0,833 Liter Braunbier 5 Pfennig.
1624 sehr kalter, langer Winter, schlechter Jahrgang
~1625 Höhepunkt der Alpenvergletscherung als Folge einer Klimaschwankung, die - mit einer Unterbrechung um 1700 - von 1550 bis 1850 dauert. Der Zimmermann bekommt 3 1/2 Groschen am Tage, der Maurer 4 1/2 Groschen. Die Kanne Bier (0,9l) mußte er für 10 Pfennige kaufen - er bekam also für seinen Tageslohn ca. 4 - 5 Liter Bier oder einen Liter Wein.
1628 so schlecht wie seit 100 Jahren nicht, selbst der Essig wurde damit verdorben - im 17. Jahrhundert gab es keinen einzigen "Jahrhundertjahrgang" - siehe 1645
1630 frühes Jahr und gute Blüte
1631 heißer Sommer, sehr viel und gut - Steinwein und Leistenwein berühmt
1632 ungewöhnliche Hitze und Trockenheit von Mitte Juli bis Mitte September. Für die nachfolgenden Jahrgänge sind die Qualitäten relativ. Wegen des 30jährigen Krieges (1618- 1648), der viele Gegenden verwüstete, kam auch der Weinbau zum Erliegen. Während 1632 noch 23 Fuder Wein in Ayl und Umgebung geerntet wurden, waren es nach Ende des 30jährigen Krieges ganze zwei Fuder. Der Krieg wütete in der Wiltinger Gegend zwischen 1632 und 1639. Ayl zählte 1632 198 Einwohner, 1653 lebten noch 96.
1639 sauer, Holzapfelwein
1645 ungefährer Beginn der "Kleinen Eiszeit" bis ca. 1715 - Zeitraum geringer Sonnenaktivität (Sonnenflecken)
1650 D. Sachs schreibt, er habe in diesem Jahr im Gasthoffs-Keller zu Strassburg aus drey Fässern Wein gekostet, "davon das erste Anno 1472, das andere Anno 1519, das dritte Anno 1524 eingefüllet worden.", Proben von diesen Weinen wurden noch 1730 gegen ein "Trankgeld" im Straßburger Spitalkeller verabreicht. Ab 1650 wurde im Tokajer Gebiet die ersten systematischen Trockenbeerenauslesen geernet.
1652 sehr gut
1653 reichlich und gut
1659 sehr gut
1660 heißer Sommer und große Kälte im Winter - sehr gut
1661 gar gut und viel, teuer
1662 schlecht
1663 mittleres Weinjahr
1664 kalt, frühe Herbstfröste, Fehljahr
1665 nasser Sommer, mittlere Qualität
1666 guter Jahrgang trotz (wegen) Spätfrösten
1667 mittlerer Jahrgang - Geldwert : 1667 erhielt ein Regensburger Zimmerermeister 20 Kreuzer am Tag, ein Taglöhner 12 Kreuzer. Ein Pfund Rindfleisch kostete 4 Kreuzer, ein Abendessen mit Bier 2 Kreuzer, ein Kopf (= 0,8 Liter) Wein 12 bis 13 Kreuzer. und ein Kopf Weißbier 6 Pfennige (= 1½ Kreuzer).
1668 sehr gutes Jahr nach sehr kaltem Winter - langlebiger guter Tokayer
1669 heißer und trockener Sommer, sehr gut, wenig und sehr teuer
1670 sehr gut
1671 feiner Wein und gut
1673 sehr nasser Sommer, viel und dünner Wein
1675 ein Teil der Ernte vor der Lese erfroren
1676 sehr heißer Sommer, sehr gut, doch wenig, Fuderpreis 90 Taler
1679 Ein versiegelter und mit intaktem Original Korken verschlossener 1679er Madeira wurde im Dezember 1999 bei Ausgrabungen in einem Londoner Keller gefunden und verkostet : Michael Broadbent: "It was a little on the bitter side but its pale amber colour was remarkable. It was fresh for a wine of this age and the nose was very interesting."
1681 gut
1682 sehr gutes Jahr - bekannt für Tokayer
1683 gut und wenig, Dürreperioden in Juni und September
1684 ziemlich viel und sehr gut - aber ein strenger Frost im Juli
1690 gut und viel - kurioserweise Temperaturtiefpunkt der "Kleinen Eiszeit" (siehe 1645)
1694 viel und gut, Fuderpreis 22 Taler

 1700

1701 schlecht - der typische Moselwein war für die Bevölkerung ein leichter Rotwein.
1703 sehr schlecht - der Küfer Hans Jakob Erni wurde 1706 hingerichtet, weil er die schlechten Weine von 1701 und 1703 so "verbesserte", daß daraufhin einige Personen gestorben sind
1704 gut, aber nicht gar viel
1706 sehr viel und vorzüglich - guter Jahrgang - wurde noch Jahrzehnte später von Goethes Mutter geschätzt
1709 extrem kalter Winter, viele Reben erfroren. -20 Grad an der Loire, auf dem Ozean blauschwarzes Eis
1712 sehr viel und gut, ungewöhnlich große Erntemenge
1713 schlechtes Jahr
1718 frühe Blüte, sehr heißer und trockener Sommer, viel und sehr gut - Entgültiges Ende der kleinen Eiszeit. Wenn man in Paris in diesem Jahr besonders fein und vornehm speisen wollte, mußte man wohl einen Reichsthaler bezahlen. Es kostet der Diener einem täglich einen franc oder 25 sols, davor muß er sich ernehren und kleiden.
1719 sehr viel und sehr gut - der kostbarste Wein der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, seiner Sonnensüße wegen als "Hutzelbrühe" bekannt geworden - (Beerenauslese ?)
1720 kleines Jahr, das beste Fuder Wein wird hier mit 60 Reichsthaler veranschlagt
1721 153.000 Weinstöcke erbrachten an der Ruwer 11 Fuder Wein - Stockertrag im Mittel 0,07 Liter
1726 ganz vorzügliche Weine im reichsten Überfluß - die Wetterchronik nennt es unter den 10 außerordentlichen warmen und frühen Lenzen, und unter den 12 beständigen warmen Sommern und Herbsten des 18. Säkulums. Die Jahrgänge 1706, 1719, 1726 und 1748 wurden von Goethes Mutter in Fässern "von ihr selbst gewartet und gepflegt" und in geschliffenen Flaschen kredenzt.
1727 sehr viel und sehr gut - als Rüdesheimer Apostelwein noch heute im Bremer Ratskeller : Alc 13.3 vol%, Säure 13.1 g/l, zuckerfreier Extrakt 42.7 g/l
1728 großer Jahrgang im Schatten des 1727er
1729 der vierte von aufeinanderfolgenden großen Jahrgängen
1735 ein Rheingauer Wein dieses Jahrgangs aus dem Keller von Schloß Schönborn wurde 1987 für DM 53.000 + MWSt. versteigert.
1736 gesegnetes Weinjahr
1737 guter Jahrgang
1738 sehr guter Jahrgang
1740 sehr kalter Winter, viele Frostschäden, es wurde zum großen Teil nichts gelesen. Das kälteste Jahr dieses Jahrhunderts. Die Jahresmitteltemperatur lag mit 5.4 °C um mehr als 3 Grad unter dem vieljährigen Durchschnitt. Ein 1740er Canary (Kanarische Inseln) gilt als der älteste noch trinkbare Wein.
1743 Neubau unseres jetzigen Gutsgebäudes auf älteren Fundamenten - mittlerer Jahrgang
1748 viel und sehr gut - der beste der 40er Jahre, ähnlich dem 38er - ein Fuder St. Maximiner erbrachte 425 Reichstaler (Rtlr.). 1 Reichstaler entsprach 54 Albus (Silberscheidemünze) im Kurfürstentum Trier und in diesem Jahr kosteten Hühner 3 albus das Stück. In Frankfurt am Main kostete eine Herrschaftsmahlzeit 36 bis 48 Kreuzer, eine Dienermahlzeit mit Bier 12 Kreuzer, die Wochenmiete in einer guten Herberge 45 Kreuzer und die Stallmiete für ein Pferd einen Kreuzer. Giacomo Casanova bekommt im Februar 1760 in Köln von Graf von Kettler "eine Flasche Rheinwein auf deren Etikett das Jahr 1748 zu lesen war" geschenkt.
1749 Maifrostschäden, sehr günstiger Sommer und Herbst, wenig aber sehr gut, "königlicher Wein"
1753 gut, "berühmte Weingewachs"
1756 regnerischer Sommer und mittlerer Jahrgang, aber mit 11.7 °C Jahresmitteltemperatur das bisher wärmste Jahr des 18. Jahrhunderts.
1759 weit über dem Durchschnitt wie 1859 und 1959
1762 viel und sehr gut
1763 schlecht, Kurfürst von Trier verhökert Zeltinger Weine für 11 Taler je Fuder
1764 Geldwert : Der Zimmermann und der Maurer erhalten 7 Groschen am Tage. Für die Kanne Bier muß er 6 Pfennige zahlen, der Scheffel Weizen (103l) kostete 3 Taler 4 Groschen = 76 Groschen. 1 Pfund Schweinefleisch kostete in Höchst 0,10fl, 1 kleines Schwein 2,30 fl, 1 fünfjährige Kuh 30 fl, 1 Paar neue wollene Strümpfe 0,30 fl und 1 Hemd 1 fl. Der Tagelöhner erhielt 8-10 fl im Monat. Der Tagelöhner konnte sich für seinen Monatslohn ca. 10 Flaschen guten Wein im Gasthaus leisten. Der bestens mit 40 fl im Monat bezahlte Modellmeister der Porzellanmanufaktur in Höchst konnte sich schon jeden Tag mehr wie eine gute Flasche Wein leisten, dann war aber auch schon sein Lohn aufgebraucht ...
1766 Johann Kaspar Riesbeck schreibt von diesem Jahrgang, den er in Worms 1780 getrunken hat : "Wir waren begierig, diesen seltenen Wein zu kosten und mußten im Ort selbst die gewöhnliche grüne Bouteille mit einem Reichsthaler (1 Goldgulden betrug 1 Reichstaler und 18 Albus) bezahlen. Dieser war aber vom besten Jahrgang dieses Säkulum, nämlich von 1766 , ... Es war der erste deutsche Wein, den ich ganz ohne Säure gefunden." - sehr viel und delikat nach schönem Herbst
1767 Fehljahr
1769 sehr schlecht, ganz sauer
1770 nasskaltes Jahr, schlechter Wein
1772 viel und gut, besser als erwartet
1774 Menge gering, Qualität desto besser
1775 ein prächtiger Wein in voller Reife - erste Spätlese Botrytis Trauben im Rheingauer Benediktinerkloster Johannisberg : "Diese 1775er Weine finden in dem hiesigen höchst herrschaftlichen Keller so außerordentlich beyfall von allerlei gattung ächten Kennern , daß man von solchen fast kein anders Wort bey den Versuchen höret, als : Solche Weine habe ich noch nicht in den Mund gebracht."
1776 sehr gut - 1748er, 1775er und 1776er wurden noch 1830 in Hochheim als "feine alte Jahrgänge" angeboten
1777 meister Wein nicht trinkbar, Trauben erfroren
1779 kostbarer Wein
1780 kleiner Jahrgang
1781 sehr viel und sehr gut, sehr süße Trauben - ein Fuder St. Maximiner erbrachte 30 Reichstaler
1782 schlechtes Wetter, mäßiger Wein - Maximin keltert in Filzen an der Saar an Weißwein 6 Fuder und an Rotwein 5 Fuder und sprach für diesen Weinort noch von einem "rothen Herbst"
1783 früher Frühling, heißer trockener Sommer, Jahrhundertwein, sehr viel, außergewöhnlich gut, Edelfäule, noch besser als der 1719er
1784 mittlerer Jahrgang
1785 schlechter saurer Wein
1786 schlechter Wein, "allein vor die Arbeiter zu brauchen"
1787 "Der Wein ist schlecht ausgefallen, allein vor Knecht, Mägd und Taglöhner brauchbar" - der Trierer Kürfürst Clemens Wenzeslaus verfügt den Moselweinbau zu 95% auf die Rebsorte Riesling umzustellen. In Eßfeld, Unterfranken, wurden 1787 zur Erneuerung des Schulhauses 3 Ster Floßholz für 21 Gulden gekauft.
1788 guter Tischwein, teuer
1789 schwacher Jahrgang
1790 mittlerer Jahrgang
1791 guter Wein, nur zuwenig
1792 unbedeutender Jahrgang, geringe Erträge
1793 "eines guten aber wenigen Wachstums" - ein Fuder Grünhäuser wurde für 1144 Gulden verkauft
1794 früher Frost, bekannter Eiswein Jahrgang in Franken
1795 mittelmäßig
1796 mengenmäßig gut, mittlere Güte
1797 kleiner Jahrgang
1798 großer Jahrgang
1799 schlecht, schweres Frostjahr. Siehe auch 1830.

1800


1800 ziemlich gut und teuer
1801 geringe Ernte, Blüteschäden, mittleres Jahr
1802 sehr gutes Weinjahr
1803 mittleres, kühles Jahr
1804 außergewöhnlich guter, reifer Jahrgang
1805 unser Weingut wird säkularisiert - bis dahin Weingut des luxemburgischen Jesuitenkollegs - kalter Winter, Fröste, fast keine Lese
1806 guter Jahrgang
1807 sehr guter Jahrgang, harmonische Weine, geringe Menge
1808 mittleres Jahr, nasser Herbst
1809 schlechter Jahrgang
1810 mittleres Jahr bei geringem Ertrag
1811 Kometenwein (Komet Halley), sehr viel und sehr gut - ein Jahrhundertwein - Weine hatten 80 bis 85 Oechsle (früheste Aufzeichnungen von Mostgewichten).Der 1811er "wurde mit Gold aufgewogen".

"Setze mir nicht, du Grobian, den Krug so derb vor die Nase

Wer mir den Wein bringt, sehe mich freundlich an,

Sonst trübt sich der Eilfer im Glase!" J.W. von Goethe

1812 kleiner Jahrgang - in manchen Gegenden 58 Oechsle, nur in den guten Lagen 75 Oechsle
1813 völliges Fehljahr - angeblich erster Rheingau Eiswein im Dezember gekeltert , als Blücher sich mit den preußischen Truppen bei der Verfolgung Napoléons dem Rhein näherte.
1814 schlechtes Jahr, fast kein Wein geerntet
1815 Fehljahr - Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora. In den folgenden Jahren sank auf Grund der Asche Emissionen die mittlere Temperatur in Europa um 2,5 Grad Celsius mit Wirkungen auch auf den Weinbau.
1816 Fehljahr - kalter Herbst, vor der Lese erfroren, wurde "allgemeiner Mißwachs" genannt
1817 Fehljahr - vor der Lese erfroren
1818 ein dreiviertel Herbst mit guten Weinen. Seit langem wieder an der Mosel Fuderpreise über 100 Thaler. Der Trierer Weinhändler Gebr. Schnack bietet unter seinen sechs Weinen auch den "Coenener rothen von 1818, die Bouteille zu 20 Alb oder 1 Fr. 18C."an.
1819 sehr gut an der Mosel, der erste bessere Jahrgang seit 1811
1820 kleines Jahr, geringe Ernte, der Sommer fiel aus
1821 Fehljahr, es wurde fast nichts geerntet
1822 sehr gut, fast wie 1811 mit viel Edelfäule, war schon als "Primeur" am 10. und 11.Oktober weitgehend verkauft
1823 kleines Jahr, saure Weine
1824 kleines Jahr, geringe Weine
1825 sehr schöner Jahrgang an der Mosel, noch besser als der 1822er, kam dem 1811er nahe. In Dresden erhielt der Zimmermann 10 Groschen am Tage und der Maurer 8 Groschen
1826 voller Herbst, mittlere Qualitäten
1827 kleiner Jahrgang
1828 große Erntemenge bei geringen Qualitäten, "sehr reichlicher Herbst". Der Franzose Louis Bouschet de Bernard führt die erste gezielte Kreuzung an Reben in Mauguio bei Montpellier durch. Der Beginn der "Neuzüchtung".
1829 kleines Jahr - die niedrigsten Preise seit 30 Jahren, völliger Verfall der Weinpreise an der Mosel auf 30 bis 50 Thaler je Fuder, bedingt durch den preussischen Zollverein. Die Kosten lagen bei ca. 36 Thaler je Morgen (ca. 25,5 ar), bei einer Erntemenge von ca. 1/2 Fuder bis 3/4 Fuder je Morgen Weinberg.
1830 kleiner, dünner Jahrgang, Frostjahr. Durch die vielen Frostjahre zwischen 1799 und 1830 wurde der Rieslinganbau beschleunigt, da Riesling die frosthärteste Rebsorte war - das ist der tiefere Grund der Verbreitung des Rieslinganbaus. Vor 1830 war der Eitelsbacher Berg noch überwiegend mit Rotwein bestockt.
1831 geringe Ernte, etwas bessere Weine - früheste regelmäßige Mostgewichtsmessungen nach Oechsle beginnen
1832 schlecht
1833 große Erntemenge bei ungenügenden Erlösen
1834 ein voller Herbst - es wurde der vierfache Preis gegenüber 1833 gezahlt - in manchen Gegenden 120 Oechsle
1835 gut bei genügender Menge
1836 gut bei nachgebenden Preisen - Verein zur Förderung der Weinkultur an Mosel und Saar gegründet
1837 sehr schlecht. Die Augsburger Allgemeine Zeitung vom 11. November schreibt : "Unsere Weinernte, kaum begonnen, ist auch schon so gut als beendet : denn je mehr die Gutsbesitzer sich mit dem Einsammeln und Auslesen der Trauben beschäftigen, um so mehr kommen sie zu der Überzeugung, daß der Ertrag nicht des Sammelns werth ist ! Man hat im Rheingau gehofft, was die Hitze nicht gethan, könnte der Frost noch thun, d. h. einem Theil der Trauben Süßigkeit geben. Alles vergebens ! Statt des Frostes erscheint Nässe, und was nicht bald heimgebracht wird, muß durch Fäulniß zu Grunde gehn." - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1838 mittelmäßig und geringere Menge - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1839 sehr gut - Fuderpreis in Saarburg 200 Thaler. Der einfachere Wein kostete im Trarbacher Kasino 1845 5 Silbergroschen die ganze Flasche.
1840 mittelmäßig - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1841 kleiner Jahrgang - nichts in Saarburg verkauft
1842 sehr gut, man sagt es sei der süßeste Wein des Jahrhunderts gewesen - sicher zusammen mit 1811 und 1893 einer der besten dieses Jahrhunderts
1843 mittlerer Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 50 Thaler, Durchschnittspreis an der Ahr 24 Thaler per Ohm.
1844 mittlerer Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 50 Thaler. Am 13. Mai wurde ein Parzelle im Scharzhofberg für 1848 Thaler versteigert = 1,85 Goldmark / qm.
1845 schlechter Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 50 Thaler
1846 sehr gut, wunderschöner Herbst - Fuderpreis in Saarburg 600 Thaler, Mostgewicht des Tischweines 100 Grad Oechsle. Eiswein Jahrgang in Franken
1847 schlechter Wein - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler - Riesling vom Ockfener Geisberg wurde geerntet mit 59 Grad Oechsle und 17, 9 g/l Säure. Sitzung des Wiltinger Gemeinderathes vom 24. October 1847:
"In der heutigen Sitzung wurde bestimmt, daß die diesjährige Weinlese für die Roten auf Mittwoch, den 27. October
für die Weißen auf Samstag, den 30. October bis zum 2. November in den Districten Kopp, Dohr und Mühlenberg
auf Mittwoch den 3. November für Janungs und in der Heid
auf Freitag den 5. November für obers Dorf und Vols
auf Montag den 8. November in Neuberg und Felsend
auf Dienstag den 9. November über Saar und Gravels beschlossen wird."
(Zitat : WIGE 14/99)
1848 guter Jahrgang - Fuderpreis in Sarburg 100 Thaler - Analyse Piesporter : 10.8 vol% Alkohol, 22.3 g/l zuckerfreier Extrakt, 5.2 g/l Restzucker, 5.8 g/l Säure, 2.0 g/l Asche - Forster Auslese : 11.4 vol% Alkohol, 24.7 g/l zuckerfreier Extrakt, 6.3 g/l Restzucker, 4.8 g/l Säure, 1.3 g/l Asche
1849 guter Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 100 Thaler
1850 kleiner Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1851 kleiner Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1852 gute Qualität bei geringen Erträgen - Fuderpreis in Saarburg 170 Thaler
1853 erstmals Oidium an der Mosel - Fuderpreis in Saarburg 170 Thaler
1854 mäßiger Wein - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler. Immer noch großer Rotweinanteil an der Mosel. Die Bernkasteler Zeitung berichtet in diesem Jahr : So wurden Moselweine, "auch die geringen, in Stettin zur Fabrikation von Bordeauxweinen mit gutem Erfolg benutzt und nach dieser Umwandlung an die Russen verkauft." Zu diesem Zweck sollen "massenhafte Aufkäufe der noch vorräthigen Moselweine aller Art stattgefuunden haben, die ohne erhebliche Kosten auf der Eisenbahn über Berlin nach Stetting gebracht und von da in ihrer neuen Gestalt nach russischen Häfen überführt wurde." Es gibt da Parallelen zur heutigen Zeit!PHJ
1855 kleiner Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1856 kleiner Jahrgang - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1857 Sommer außerordentliche Hitze ohne Regen, ein wahrer Sonnenschein voll Kraft und Blume - Fuderpreis in Saarburg 1200 (!) Thaler  Als Sommerwonnen-Bronnentrank, als milder, wilder Tonnentrank wurde der Jahrgang in der Zeitschrift "Kladderadatsch" charakterisiert. Für das Fuder Scharzhofberger wurden 12.000 - 13.000 (!) Taler bezahlt, für die besten Moselweine zwischen 9.000 und 15.000 Taler.
1858 sehr gut mit besonders schöner Blume, stand dem 57er an Kraft nach - Fuderpreis in Saarburg 500 Thaler, Lese im Schnee - Eisweine auch im Rheingau.
1859 sehr gut - in der Reihe der berühmten 59er aus 3 Jahrhunderten - Fuderpreis in Saarburg 480 Thaler
1860 kleines Jahr nach drei Ausnahmejahren - Fuderpreis in Saarburg 40 Thaler
1861 sehr guter Jahrgang mit zufriedenstellenden Mengen
1862 gesegnetes Weinjahr
1863 kleiner Jahrgang
1864 viel Regen und Kälte, schlechter Wein
1865 Jahrhundertwein viel und gut, im Juni Hitze bis 30 Grad, am 23. Juni rote Trauben, Lesebeginn Mitte Oktober - normale Mostgewichte an Mosel und Saar 88 bis 92 Grad Oechsle, bessere Moste 95 Grad Oechsle, junge Rieslinge aus sehr guten Lagen bis 105 Grad Oechsle
1866 mittleres Jahr - Mosel Tischwein wird per Ohm a 140 Quart zu 24 Thalern verkauft
1867 große Ernte, dünne, geringe Weine
1868 sehr gut, tropische Hitze im Sommer, am 20. Mai erste Gescheine, am 5. Juni Traubenansatz, am 15. Juli standen die Trauben im Wein, Erntebeginn 5. Oktober - Mosel Tischwein wird der Ohm (160 Liter) zu 36 Thaler, die feineren Sorten zu 48 Thaler verkauft. 1879 (11 Jahre später) wird auf einer Greifswalder Weinkarte der 68er Winkeler Hasensprung mit 4 Mark und der 68er Johannisberger mit 5 Mark je Flasche angeboten.
1869 sehr gut
1870 überdurchschnittlicher Jahrgang - der Durchschnittsertrag der Jahre 1870 bis 1879 beträgt 17 hl/ha. Im Hamburg Hafen werden 218.958 Zentner Wein im Wert von 2.144.365 Thaler eingeführt. 180.000.000 Zentner Wein werden in Deutschland produziert, 33.202.240 Zentner Wein werden eingeführt, 16.051.760 Zentner werden ausgeführt, der Pro Kopf Verbrauch im gesamten deutschen Reich beträgt 5,41 Pfund - in den Weingegenden ca. 70 Liter pro Kopf und Jahr.
1871 Mißernte
1872 kleiner Jahrgang
1873 schlechter Wein, Mißjahr
1874 sehr gut, die Flasche 74er Josephhöfer steht auf einer Greifswalder Weinkarte 1879 mit 3 Mark zu Buche
1875 gutes Weinjahr - "sehr gute Qualität"
1876 mittleres Jahr bei kleinen Erträgen, in diesem Jahr erhielt der (gelernte) landwirtschaftliche Tagelöhner 1,5 Mark am Tag und bei 260 Arbeitstagen im Jahr ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 390 Mark. Der industrielle Arbeiter stand sich mit 2 Mark am Tag bei 270 Arbeitstagen und mit einem Jahreseinkommen von 540 Mark schon besser - aber die gute Flasche Wein kostete 2 Mark - einen Tageslohn. Aber : Weibliche Haushaltshilfen bekommen 1876 monatlich 23,33 Mark oder 8 Pfennige Stundenlohn.
1877 ein kühler Sommer, Frost im Herbst, geringe, saure Weine
1878 wieder ein nasser, kalter Sommer, schlechter Jahrgang
1879 ebenfalls ein kalter Sommer, geringe Weine. Im sehr strengen Winter 79/80 fror die Saar zu. "Eines Nachts hatte sich die Eisdecke eines Randweihers der Saar gesenkt, so daß an diesem Eisriß das gepresste Wasser 550 cm emporspritzte - der Wiltinger Geysir.". Deutsche Gesamternte 986.171 hl.
1880 ein "trostloses" Weinjahr. Durchschnittsertrag 4,2 hl/ha. Deutsche Gesamternte 523.560 Hektoliter. Deutsche Ernte 1994 zum Vergleich : 10.347.710 - die 28fache Menge. Kalter Herbst, aber in einigen Gegenden gute Eisweine.
1881 mittlerer Jahrgang mit höheren Erntemengen von 21 hl/ha - Reblaus an der Ahr. Deutsche Gesamternte 2.673.505 hl.
1882 nasser Sommer, kühler Herbst, schlechte Qualität. Deutsche Gesamternte 1.596.854 hl.
1883 schlechtes Jahr, dünne und saure Weine. Der deutsche Pro Kopf Weinverbrauch liegt bei 8,5 l im Jahr.
1884 gutes Jahrgang bei guten Erträgen. Sehr gute Moselweine. 3.750 ha an der Mosel erbringen im Durchschnitt 142.000 hl. Erstmals Phylloxera (Reblaus) im Herbst '84 in der Nähe von Geisenheim.
1885 mittlerer Jahrgang
1886 erstmals seit vielen (20 !) Jahren ein wirklich sehr guter Jahrgang bei geringen Erntemengen, erstmals Peronospora an der Mosel
1887 mittlerer Jahrgang, gute Erträge
1888 miserabel, das Wetter so schlecht - diesen Jahrgang beschreibt das Gedicht der 88er Wein
1889 guter Jahrgang bei geringeren Erträgen. Mosel-Erntemenge im Durchschnitt 165.000 hl, an der Saar werden im Durchschnitt der letzten Jahre 18.000 hl geerntet. Die Jahre 1884, 1886 und 1889 weckten wieder das Interesse an Mosel-Saar-Ruwer Weinen weltweit.
1890 guter Jahrgang und ein reicher Herbst füllte die Fässer
1891 Fehljahr mit starken Frösten
1892 sehr guter Jahrgang, hocheleganter Wein - das erste deutsche Weingesetz
1893 Jahrhundertwein reif und fruchtig mit hervorragender Edelfäule, der Konkurrent zum 1811er - Faßpreis Scharzhofberger 5,50 Goldmark / Liter - Wiltinger 3,15 - Bocksteiner 4,2 Mark. Die besten Fuder Scharzhofberger kosteten 10.500 Mark, also 10,50 Mark je Liter. Deutsche Weine dieses Jahrgangs wurden auf der Weltausstellung als beste Weine der Welt ausgezeichnet. Für eine Flasche wurde bis zu 80 Goldmark gezahlt.Wieviel Geld ist das eigentlich ? Die Kastellanin (Hausmeisterin) des Verbindungshauses der studentischen Verbindung Pomerania erhält in diesem Jahr 300 Mark Gehalt. Das Verbindungshaus, ein sehr schöner Bau mit Hausmeisterwohnung und Wirtschaftsräumen, weiteren vier Wohnungen, Kneipe, Vorzimmer, Fechtstube und Empfangszimmer, sowie Nebengebäude am Mühlenthor 2 in Greifswald kostet in diesem Jahr 27.500 Mark - den Gegenwert von 5 Fudern Scharzhofberger !
Das Zimmer im besten Hotel Frankfurts, dem Frankfurter Hof am Kaiserplatz kostete in diesem Jahr 3 Mark, im obersten Stock inklusive Licht, Bedienung und "Personenaufzug" 1,20 Mark. Für einen Liter Bocksteiner im Faß konnte man also 3 Tage in Frankfurts Nobelherberge im obersten Stock übernachten. Vielfach liest man auch, die damaligen Auslesen seien in Wirklichkeit heutige edelsüße Beeren- oder Trockenbeerenauslesen gewesen. Unsinn!!! Van Volxem produzierte in diesem Jahr 63 Fuder, Egon Müller versteigerte von diesem Jahrgang 36 Fuder und das Weingut Gebert in Ockfen, deren beste Ockfener Lagen wir heute haben, versteigerte 44 Fuder = 44.000 Liter Bockstein zu einem Durchschnittspreis von 4198 Mark pro Fuder.

1894 durchschnittlicher Jahrgang im Schatten des 93er
1895 guter Jahrgang. Faßpreis Scharzhofberger 5,00 Goldmark / Liter - Wiltinger 3,05 - Bocksteiner 4,00. Das vierteljährliche Abonnement des Ingolstädter Tageblattes betrug 1,40 Mark : Für einen Liter Scharzhofberger konnte man die Zeitung fast ein Jahr abonnieren.
1896 unterdurchschnittlicher Jahrgang bei sehr großer Erntemenge von 3 Millionen Hektolitern. Ein Weinberg im Scharzhofberg von 3053 qm Größe wurde für 90.000 Goldmark verkauft, die Ernte verblieb noch dem Vorbesitzer. Der Quadratmeter kostete also 29,48 Goldmark, mehr als ein Monatslohn der Greifswalder Hausmeisterin !
1897 guter Jahrgang, bukettreiche, blumige Weine. Das höchste Mostgewicht erbrachte ein Ruwer Wein mit 119 Grad Oechlse und 12,1 g/l Säure. Faßpreis Scharzhofberger 5,31 Goldmark / Liter - Wiltinger 3,36 - Bocksteiner 2,82
1898 mittleres Jahr, kühler Sommer. Die 1898er Ernte wurde an Mosel-Saar-Ruwer durch Traubenkrankheiten und Insekten fast ganz zerstört.
1899 kleine und mittelgute Ernte, viel Regen und kaltes Wetter verhinderten einen guten Jahrgang, daher : Faßpreis Scharzhofberger 2,47 Goldmark / Liter - Wiltinger 1,75 - Bocksteiner 1,90

 

Das 20. Jahrhundert

1900 ein sehr guter und gesuchter Jahrgang. Bilderbuchsommer. Faßpreis Scharzhofberger 5,53 Goldmark / Liter - Wiltinger 2,91 - Bocksteiner 3,92. Ein Abendessen mit Bier kostete in Bayern 70 Reichspfennig und eine Halbe Bier in der Wirtschaft 11 Pfennig.

Ausschnitt aus der Saar Wein Karte


Bemerkenswert die Weinkarte aus dem Jahr 1900


( 1 Goldmark ~ ca. 20 - 100 DM heutiger Kaufkraft)
( 1 Fuder = 1.000 Liter - klassisches Faßmaß an der Mosel) 
Das Problem der Kaufkraftparität sieht man an der unten stehenden Tabelle sehr deutlich.

Kaufkraftparitäten 1880 und 1980 (Quelle : Statistisches Bundesamt)

 

1880

 

1980

 

Arbeitszeit
in Minuten

Mark

 

DM

Arbeitszeit
in Minuten

24

0,12

Milch, 1 Liter

1,13

5

32

0,15

Kartoffeln, 2,5 kg

1,59

7

71

0,33

Roggenbrot, 1 kg

2,52

11

118

0,55

Eier, 10 Stück

2,52

11

150

0,70

Fisch, 1 kg

8,58

38

221

1,03

Zucker, 1 kg

1,70

7

349

1,13

Speiseöl, 1 Liter

3,91

17

364

1,14

Rindfleisch, 1 kg

15,57

68

381

1,22

Schweinfleisch, 1 kg

11,68

51

12 Stundentag

0,17 -
0,28

Stundenlohn
Industriearbeiter

13,65

8 Stundentag

 

In dieser Chronik wird viel vom Ohm (Ahm, Aam) geschrieben. Leider ist auch dieses Maß in verschiedenen Gegenden unterschiedlich:

Preußen

137,404 Liter

Frankfurt am Main

143,422 Liter

Baden

150,0 Liter

Braunschweig

149,895 Liter

Hannover

155,758 Liter

Mecklenburg

145,5 Liter

Hessen

160,0 Liter

Schweiz

150,0 Liter

Schweden

157,039 Liter

Dänemark

154,579 Liter

Norwegen

149,591 Liter

Russland

147,591 Liter

livländische Ohm

229,549 Liter

Mosel/Saar/Ruwer

ca. 160 Liter

 

Ein weiteres wichtiges Flüssigkeitsmaß war der Eimer :

Bayern

68,4 Liter

Hamburg

28,9 Liter (= 32 Quartier)

Hohenzollern

306,9 Liter

Preussen

68,7l Liter (= 60 Quart oder Mass a 1,15l)

Sachsen

75,8 Liter

Oesterreich-Ungarn

60,1 Liter

Schleswig-Holstein

28,9 Liter

Wuerttemberg

293,9 Liter (= 160 Mass)

 


Ab dem Jahr 1900 dürften dann wohl wieder Ihre Aufzeichnungen anfangen.
Wenn Sie weitere Informationen über die alten Zeiten haben - ich würde mich freuen, mit Ihrer Hilfe diese Liste zu ergänzen.

 

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