Die Gretchenfrage: Kork oder Schraubverschluss?

Bei dem Thema Verschluss von Weinen scheiden sich die Geister: Während die einen auf die altbewährte Methode des Naturkorken zurückgreifen, setzt eine neue Generation von Winzern auf Glaskorken, Kronkorken oder den Schraubverschluss. Wir versuchen die Vor- und Nachteile der jeweiligen Verschlüsse für Weinflaschen herauszufinden und wagen einen Ausblick, welche Methode sich in Zukunft durchsetzen wird.  

Die Geschichte des Kork als Verschluss für Weinflaschen

Bereits in der Antike setzte man auf den weitestgehend gas- und wasserdichten, elastischen Verschluss von Flaschen: Den Naturkorken. Seine Eigenschaften waren perfekt und werden bis heute geschätzt.  

In Deutschland zu Massenware der Verschlüsse wurde der aus der Rinde der Korkeiche hergestellte Verschluss aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Neben dem Naturkorken haben sich auch Kunstkorken und Korken aus Korkgranulat (sogenannte “Presskorken” oder “Verbundkorken”) entwickelt. Diese weisen jeweils niedrigere Qualitätsstufen wie der aus der Mittelrinde gewonnene “echte” Korken auf. Heute werden in Deutschland jährlich rund 500 Millionen Korken verkauf.  

Fakten über Kork und die Korkproduktion

  • Länge: 38 mm bis 60 mm
  • Standartkorken: Durchmesser 24 mm
  • Sektkorken: Durchmesser 30,5mm, Länge 48 mm
  • Beschriftung der Korken nennt man “Korkbrand
  • Portugal ist der weltweit größte Produzent von Korken (mit 736.000 Hektar, was etwa einem Drittel der weltweiten Anbaufläche entspricht)
  • Die weltweite Korkproduktion beträgt ca 300.000 Tonnen pro Jahr.
  • Der Gesamtwert der jährlichen Ernte beträgt ca. 900 Millionen Euro
  • 75% der geernteten Baumrinde wird zur Gewinnung von Flaschenkorken verwendet

  In einem einzigen Flaschenkorken befinden sich ca. 800 Millionen Zellen. Seine Dichte beträgt zwischen 0,12 und 0,20 kg/m³ und besitzt damit eine geringere Dichte als alle Plastikarten. Kork besteht knapp zur Hälfte aus Suberin, einer Mischung aus Fettsäuren und einem starken organischen Alkohol, der den Kork flüssigkeits- und gasundurchlässig macht. Die weiteren Bestandteile sind Lignin, Zellulose,Polysaccharide, Tannine und Wachse.  

Nach einer Studie der Universität Mannheim kennen 100% der Befragten den Korken als Weinverschluss. 57% präferieren diesen als Weinverschluss.  

Die Korkeiche, aus der das Naturprodukt gewonnen wird, kann bis zu 250 Jahre alt werden. 150 Jahre davon sind produktiv für die Korkgewinnung nutzbar. Ab einem Alter von 20 Jahren kann etwa alle 10 Jahre die Korkrinde in Handarbeit geschält werden, und so rund 45 kg Korkrinde pro Ernte gewonnen werden. Damit produziert eine Korkeiche im Laufe ihres Lebens ca. 700 kg Kork, was etwa 116.000 Naturkorken entspricht.  

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Das Ende des Kork ist Nahe?

Heute sind nur noch etwa ein Drittel der rund 1,5 Milliarden Wein- oder Sektflaschen, die in Deutschland abgefüllt werden, mit einem Korken verschlossen. Der Anteil hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als halbiert. Ein Abwärtstrend ist also in der Masse klar zu erkennen.   Deutlich ist der Trend bei den Weißweinen und Schaumweinen zu erkennen: Hier macht der größte teil der Schraubverschluss und der Plastikkorken aus. Tendenz auch hier steigend!   Winzer, die es edler mögen, setzen auf Glaskorken mit einem Silikonring. In den vergangenen vier Jahren hat sich die Anzahl der Glasverschlüsse in Deutschland auf stattliche 20 Millionen Stück verfünffacht!

Doch warum verschwindet der Korken eigentlich?

Hier gibt es neben den geschmacklichen auch die wirtschaftliche und praktische Gründe:  

1. Grund: Beeinträchtigung des Weines

 Während die einen auf die Einflüsse des Kork schwören und diese sogar als Nuance des Geruch- und Geschmackprofils eines Weines schätzen, würden viele Weinliebhaber auf den “Zusatz” lieber verzichten! Die EU-Kommission schätzt die jährlichen Verluste auf dem europäischen Weinmarkt durch Korkgeschmack auf rund 500 Millionen Euro, bei bis zu 5% verunreinigter Weine durch Kork. Schließlich bestimmt der Verschluss des Weines, die Haltbarkeit. Hier fehlen zwar Langzeitstudien, aber sicher ist: Die Reife eines Weines wird durch den Verschluss beeinträchtigt.  

 

2. Praktische Gründe

 In der Gastronomie ist der Schraubverschluss schon lange das Nonplusultra: Auch hochwertige Weine werden in der “Gastro-Version” meistens mit Schraubverschlüssen ausgeliefert. Die Gründe liegen hier im praktikablen Handling: Ein Schraubverschluss ist schneller geöffnet und auch wieder verschlossen. Man benötigt kein extra Werkzeug wie den Korkenzieher. Retouren von verkorkten Wein gibt es nicht. Und letztendlich lassen sich die meist größeren Gebinde (Liter Flaschen) auch wieder verschließen und länger in der Kühlung lagern.  

3. wirtschaftliche Gründe

  Sieht man von den Produzenten für Korkenzieher ab, besteht ein erhebliches Interesse an der “sauberen Lösung” der Plastikkorken und Schraubverschlüssen von Seiten der Winzer: Die teils erheblichen Retouren von korkhaltigem Wein ist aufwendig und teuer. Zudem ist ein Schraubverschluss ansich günstiger in der Herstellung als sein “großer Bruder” der Naturkorken.  

Wissenswertes: Recycling von Naturkorken

  Durch die Herstellung von Presskorken gelangen “alte” Korken wieder in die Flasche neuer Weine. Doch gibt es hier weitere erstaunliche Einsatzbereiche: In der Baubranche werden die zu Granulat zerkleinerten Naturkorken als Schüttgut zur Wärmedämmung im Hausbau eingesetzt oder anderen Baustoffen beigemengt. Der größte Teil der Flaschenkorken wird übrigens in der Schweiz gesammelt und wiederverwendet: Hier existieren weit über 600 Sammelstellen und die Wiederverwertung wird zentral gesteuert und beworben.  

Fazit: Wie lange hat der Naturkorken noch?

  Mit dem Korken ist es ähnlich wie mit der Schallplatte in den Mitte des letzten Jahrhunderts oder der Kassette Ende der 80er und jetzt mit der CD: Das Ende rückt unaufhaltsam näher, einige Nostalgiker werden den Korken aber noch Jahrzehnte begleiten können. Wirtschaftliche Gründe werden den Naturkorken immer weiter zurückdrängen. Viele junge Winzer stehen dem Thema modern und offen gegenüber. Traditionelle Winzer der Preiskategorie über 15€ werden den Korken weiter nutzen.  

Viele Winzer fürchten um den Ruf Ihrer Weine, die zu beginn der Entwicklung als minderwertiger oder “billig” eingestuft wurden, sobald man auf Ersatzprodukte des Kork umgestellte. Dies wird sich mit der Nutzung von Kunstkorken oder Schraubverschlüssen weiterer namhafter Weingüter aber sicher ändern.  

Hier denkt z.B. der “Winzer des Jahres 2017”, Hanno Zilliken pragmatisch: Der Erfolgswein “Butterfly” vom Weingut Forstmeister-Geltz Zilliken wird seit Jahren mit Schraubverschluss angeboten. Nicht zuletzt, da der wachsende amerikanische Markt das so fordert.   Letztlich ist die Wahl des Verschlusses eine Wahl der Reifung des Weines. Rückgang im Bereich Weißwein also Ja; Rotweine und Weine, die über eine Dekade lagern sollen eher Nein.

Mit einem endgültigen Aus ist daher in den kommenden Jahrzehnten eher nicht zu rechnen.  

Bildquelle Bigstock bigstock-ID 153375041 by yurchello108

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  • Wie erkennt man Kork?

    Wie erkennt man eigentlich Kork im Wein? Und hjat man einen rechtlichen Anspruch auf Rücksendung, wenn eine Wein Kork hat?
    Ansonsten sehr lesenswerter Artikel :-) Danke dafür