Deutscher Wein im Aufwärtstrend

Deutscher Wein galt viele Jahre als altbacken, viel zu süffig und schlichtweg einfachst ausgebaut. Doch diesen Staub hat sich die Branche schon lange abgeschlagen. Deutschland gehört insgesamt, obwohl die Anbauflächen häufig sehr klein oder stark zerklüftet sind, zu den großen Exporteuren des Weltmarktes und genießt internationales Ansehen unter Weinkennern. Als viertgrößter Lieferant Europas (hinter den Wein-Nationen Italien, Spanien und Frankreich) konnten sich die deutschen Winzer weltweit einen ausgezeichneten Namen machen. Besonders gefragt ist dabei der edle Riesling von der Mosel.

Deutscher Wein auf dem Weltmarkt gefragt

Dabei haben internationale Weinkenner insbesondere ein Auge auf den Qualitätsriesling von der Mosel geworfen. Diese Lagen sind besonders gefragt und die Kellereien konnten in den letzten Jahren eine zunehmende Preissteigerung durchsetzen. Vor allem Amerikaner, Asiaten und Skandinavier bevorzugen die typische mineralische Struktur der Weine. Ein guter Qualitätswein aus der Region rund um die Mosel, da ist man sich von Tokio bis Boston einig, darf auch etwas mehr kosten.

Rekordpreise heizen den Markt an

Qualitätsweine aus dem herrlichen Moseltal sind bei Genießern schon lange beliebt, doch zunehmend setzen auch Sammler und Gourmets auf diese mineralischen Weine. So erzielte kürzlich ein Riesling von der Saar, dem Nachbartal der Mosel, für eine Flasche einer Trockenbeerauslese den Rekordpreis von 12.000 EUR! Der Wein aus dem Weingut Egon Müller-Scharzhof bei Wiltingen ging bei dieser Auktion an einen anonymen Sammler. Insgesamt wurden bei der Auktion Weine im Gesamtwert von 1,7 Millionen EUR gehandelt ! Der renommierte Winzer hält einen Teil der Lese nun erste einmal für sich. Schließlich, so ist er sich sicher, handelt es sich um einen historisch einmaligen Tropfen. Aber nicht nur die Weine, auch die Winzer selbst machen Furore. So übernahm der beliebte Fernseh-Moderator Günter Jauch im Jahre 2010 das heruntergewirtschaftete Weingut Othegraven und führte es Stück für Stück zu neuer Blüte zurück. Seine Weine sind beliebt, nicht nur, weil der sympathische VIP sich selbst im Keller einbringt. Sondern der typische Geschmack des gut ausgebauten Weines überzeugt Handel und Weinkenner gleichermaßen. Doch es muss nicht immer ein Fernsehmoderator sein, der Promi-Status genießt. Auch die Weingüter Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen, das Weingut Peter Lauer aus Ayl, das Weingut Forstmeister-Geltz Zilliken aus Saarburg oder das Hause Clüsserath aus Trittenheim genießen weltweit großes Ansehen.

Was schätzen Kunden an den Weinen aus dem Moseltal

Unverkennbar ist vor allem der mineralische Geschmack der Riesling Weine. Die Rebstöcke sind tief verwurzelt in dem schwarzen Schieferboden, der hier seit der letzten Eiszeit zu mächtigen Bergen mit steilen Klippen aufgeworfen ist und in dieser speziellen Zusammensetzung nur hier zu finden ist. Kenner vermögen daher zunächst die Lage des Rieslings heraus zu schmecken, und dann erst die besondere Traube. Ferner hat der Riesling dieser Region auch die so geschätzten Nuancen an feinen Früchten. Zitrone, Feige, Dattel oder Mandel sind hier schon in der Nase zu finden. Der Abgang vieler Moselweine wird als reif, elegant und fruchtig, manchmal gar auch als wuchtig, bezeichnet.
 

Weinkenner sehen optimistisch in die Zukunft

Was vielen anderen Branchen Sorge macht, bringt vor allem den alteingesessenen Winzer von Mosel und Saar neue Perspektiven - der Klimawandel. Schon jetzt registrieren die Weinmeister den längeren und trockeneren Sommer, der früher beginnt und sich bis in den Spätherbst mit milderen Temperaturen bemerkbar macht. Zwar fällt die Ernte von Eiswein zunehmend in dieser Region ganz aus, doch dafür können neue aromatische Stilrichtungen in den Trauben vernommen werden. Durch die Minimierung der Feuchtigkeit im Boden kommt es zu kräftigeren und intensiveren Früchten mit kleineren Kernen, die im Keller von Meisterhand veredelt und aromatisch sinnvoll ausgebaut werden.
Potential sehen einige Kenner auch im organischen Weinanbau, der in der Region Mosel noch nicht wirklich fußfassen konnte. So wurden zahlreiche Betriebe in den letzten Jahren mit warmer Hand an den Nachwuchs weitergeben und werden seitdem rundum erneuert. Doch der biologische Weinbau wird noch in der Minderheit betrieben und soll die nächsten Jahre kräftig wachsen, so die Aussichten einiger Branchenkenner.

Rotwein von der Mosel - ein Stiefkind mit Potential

Der Riesling ist der Bestseller aller Winzer, sein Image wird gehegt und gepflegt. Da ist es zu erklären, dass der Rotwein-Ausbau noch in den Kinderschuhen steckt. Hintergrund dieser agrarwirtschaftlichen Zurückhaltung ist ein Anbauverbot zu Beginn des letzten Jahrhunderts, um die Region Mosel auch wirklich nur mit Riesling einzudecken und zu kennzeichnen. Mittlerweile ist diese Gesetzt längst passé. Doch auch heute sind lediglich auf 9 % der Anbauflächen im Moselraum Rebstöcke mit Rotwein angepflanzt. Somit ist die jährliche Abfüllung der roten Tropfen noch eher als exotisch zu beschreiben, als dass es hier um eine große Masse für den Weltmarkt gehen würde. Beliebte Sorten bei den roten Gewächsen sind vor allem der Spätburgunder (Pinot Noir), sowie der Dornfelder. Sehr zurückhaltend sind hingegen die Umsätze bei Merlot oder St. Laurent, sie liegen im absolut unteren Bereich. Gleichwohl geben sich viele Winzer aufgeschlossen. Sollte der Rotwein von der Mosel weiterhin ein Lifestyle-Produkt bleiben, so müssen Qualität und Geschmack aber nicht inflationär sein.
Der sogenannte „German Rouge“ ist leicht und gefällig und überzeugt mit zurückhaltenden, feinen Fruchtaromen. Vielleicht lassen sich einige Winzer auch von den innovativen Aromen anderer deutscher Rotweine inspirieren und gehen ganz neue Wege. Der Rotwein-Anbau rund um Mosel, Saar und Ruwer hat in jedem Fall potential und bleibt spannend.
 
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